Was macht eigentlich die Vogelgrippe?, wollte ich wissen und hab es für das Sonntagsblatt in Stuttgart recherchiert.
Von Gerhard Wisnewski
Oberschwaben, November 2006: Einige Hühner trotzen auf einem abschüssigen Grundstück dem kalten Herbstwind. Während die Hennen picken, behalten die Hähne den Himmel im Auge. Taucht ein Habicht auf, hasten alle eilig in den Stall. Aber sonst stört nichts das Idyll in der beschaulichen Landschaft. Freier Auslauf, so weit das Auge reicht. Aber wieso freier Auslauf? Wo, bitte, sind eigentlich Vogelgrippe und Stallpflicht geblieben? Raste nicht vor einem Dreivierteljahr die Panik vor der angeblich gefährlichen Tierseuche durch das Land? Bevölkerten nicht Katastrophenschützer in grellen Schutzanzügen die Insel Rügen, um angeblich mit dem Virus H5N1 infizierte tote Vögel in Plastiksäcke zu stecken? Sah man nicht schon Millionen Menschen gefährdet, wenn der Erreger erst auf den Menschen überspränge? „Das Vogelgrippevirus (H5N1) könnte möglicherweise der Auslöser einer neuen Pandemie werden“, erklärte 2005 die Pharmafirma Roche, „mit bis zu sieben Millionen Todesopfern.“ Als das Virus am 16. Februar 2006 in Deutschland ankam, herrschte Katastrophenstimmung: Das Friedrich-Loeffler-Institut für Tiergesundheit auf der Insel Riems erklärte, H5N1 bei auf der benachbarten Insel Rügen verendeten Schwänen gefunden zu haben.