Neuester NWO-Trend: Behinderte Models als Vorbilder

Hat ihr Kind zufällig das Down-Syndrom? Nein? Schade. Oder ist es mit einer körperlichen Behinderung zur Welt gekommen? Auch nicht? Ja, leidet es wenigstens unter Spasmen, weil es bei der Geburt zu wenig Sauerstoff bekommen hat? Auch nicht? Sie sind mir vielleicht ein Verlierer – und Ihr Kind auch. Denn schließlich ist nur behindert wirklich besonders. Nur wer behindert oder krank ist, kann in Zukunft Karriere machen − die Modebranche schreitet schon mal voran …

Schauen Sie sich zum Beispiel mal Jamie Brewer an. Sie hat zwar das Down-Syndrom (früher: »mongoloid«), aber das macht nichts. Oder besser gesagt: Das ist eigentlich gut, denn Jamie Brewer ist damit »ziemlich einzigartig«, findet die Website gofeminin.de: »Obwohl sie am Down Syndrom leidet, arbeitet die junge Frau als Schauspielerin (American Horror Story) und ist aktiv für die Arc of the United States, eine Organisation, die Menschen mit geistiger Behinderung und Entwicklungsbeeinträchtigungen unterstützt.«

 Daumen hoch! Das ist »cool!« Na, bitte − und was stellt Ihr Blag auf die Beine? Jamie Brewer revolutioniert immerhin die Fashion Welt: Für Designerin Carrie Hammer sollte Jamie im Februar 2015 »ein Kleid auf der New York Fashion Week präsentieren! Sie ist das erste Model mit Down Syndrom, das über den Catwalk läuft.«

Ist das nicht toll? Und ob: »Wir sind begeistert«, jubelte gofeminin.de am 12. Februar 2015.

 

Behinderte als »Rollenmodelle«

Wir natürlich auch. Und zwar, weil solche armen behinderten Wesen nun mal nicht arm und behindert, sondern »echte Frauen« sind: Man hoffe, so gofeminin.de, »dass noch viele weitere Designer auf echte Frauen setzen und nicht nur die superschlanken Models über den Catwalk stolzieren lassen.« Geht es nach »Designerin« Carrie Hammer, sollen die Models auf dem Laufsteg nicht einfach Klamotten von A nach B tragen, sondern neue Rollen formen, wofür sie schon mal den Slogan »Role Models not Runway Models« geprägt hat − also »Rollenmodelle statt Laufstegmodelle«.

Kurz: Die Schönheit soll aus der stilprägenden Modewelt verschwinden. Die schönen und gesunden Vorbilder für unsere Jugendlichen sollen weg. Was heißt »gesund«: Das Magersucht-Vorbild soll nun durch das behinderte Vorbild ersetzt werden. Das Ziel ist natürlich edel: »Sie möchte Mode für ALLE Frauen zeigen und das sind eben nicht nur perfekte Models, sondern auch große und kleine Frauen, Frauen mit körperlichen Behinderungen oder eben Down Syndrom. Im letzten Jahr bat sie ihre Freundin Danielle Sheypuk darum, ein Kleid für sie zu präsentieren. Danielle sitzt im Rollstuhl.«

 

Erfolg mit Weißflecken-Krankheit

Na, bitte. Wer wollte dagegen etwas einwenden? Erstens ist das natürlich durch und durch politisch korrekt. Zweitens kann niemand etwas dagegen haben, wenn jemand sein Glück und seine Rolle in der Gesellschaft findet. Der Spaß hört allerdings da auf, wo eine ganze Gesellschaft auf das Behinderte und Kranke eingeschworen werden soll und beides zum Vorbild und Lebensstil erhoben wird.

Zum Beispiel wird schon seit geraumer Zeit das Wort »behindert« mit »besonders« verknüpft. »Behindert. Besonders. Anders.«, titelt zum Beispiel der Behindertenbeirat München. Um nicht zu sagen: »Behindert ist einfach toll.« »Seit einiger Zeit findet ein radikales Umdenken in der Modewelt statt, das nichts mehr mit den herkömmlichen Schönheits-Idealen zu tun hat«, hat auch stylebook.de erkannt: »Plus-Size-Models präsentieren Bikini-Mode für ›Sports Illustrated‹, und Ü60-Frauen zieren Beauty-Kampagnen. Auch die gerade stattfindende New York Fashion Week präsentiert sich so vielfältig wie nie zuvor − und geht sogar noch einen Schritt weiter, als nur über Konfektionsgrößen und Alter nachzudenken.«

Nachdem das an der Weißflecken-Krankheit leidende Model Chantelle Brown-Young (20) bei dem Modelabel Desigual (spanisch für »verschieden« oder »ungleich«) zu sehen gewesen sei und Designerin Carrie Hammer erstmalig ein Model mit Down-Syndrom auf den Laufsteg geschickt habe, setze jetzt auch das Label FTL Moda »ein Statement«: »Models fuhren im Rollstuhl den Catwalk hinunter, anstatt zu schreiten. Und auch Models mit Krücken und Beinprothesen waren dabei. Soviel Mut kam bei Publikum an, am Ende gab es tosenden Applaus.«

 

Ein besonderer »Engel«

Tja, soviel Mut wird ein normaler Mensch wohl niemals haben. Oder wie wäre es mit Melanie Gaydos. Sie ist nicht nur behindert und leidet an einer schrecklichen Erbkrankheit, sondern sie ist sogar ein »Engel«. Und dieser Engel ist natürlich − genau: »besonders«, fand die Bild-Zeitung: »Die New Yorkerin wurde mit Ektodermaler Dysplasie geboren«. Das klingt schon so gut − finden Sie nicht? Fast wie ein neuer akademischer Titel, zu dem man aufblicken kann. In Wirklichkeit ist es ein Gendefekt, »der sich hauptsächlich auf das Erscheinungsbild von Haaren, Zähnen und Knochenbau auswirkt.« Mit Ektodermaler Dysplasie ist eine Erbkrankheit des »äußeren Keimblattes« gemeint, also der äußeren Schicht des Embryos, aus der sich Haut, Zähne, Nägel und Haare bilden − aber auch Sinnesorgane sowie das Zentrale Nervensystem. Auf diese Weise können 160 verschiedene »Merkmalskombinationen bzw. Krankheitsbilder« entstehen.

Na, bitte: Und damit kann man richtig Karriere machen. Denn schließlich braucht man diese »Mängel« durchaus nicht zu verstecken. Nicht nur, dass Melanie Gaydos um die Welt jettet wie weiland Heidi Klum persönlich (laut Bild-Website nach »New York, Los Angeles, Madrid, Berlin«), inzwischen füllt sie auch ganze Bildstrecken unserer Modemagazine − und zwar nackt, natürlich: »Besonders häufig wird Gaydos für künstlerische Aktaufnahmen oder aufwendige High-Fashion-Strecken gebucht, von Fotografen, die sich einen neuen, besonderen Blickwinkel in ihren Projekten wünschen«, so Bild.

 

Das neue Vorbild ist behindert

Kurz: Gaydos und ihre kranken und behinderten Kolleginnen werden zu ganz großen Vorbildern aufgebaut. Sloganartige Statements, die den behinderten beziehungsweise kranken Menschen über andere stellen, gehören dazu:

  • »Ich wollte nicht das Leben leben, das andere Menschen für mich für richtig hielten«,
  • »Menschen versuchen immer dir ein Label anzuhängen. Das brauchen sie, um Dinge zu verstehen und einzuordnen.«

Andere Menschen sind eben dumm, so die Botschaft. Sie brauchen nun mal irgendwelche »Labels« wie »behindert« oder »krank«, die natürlich ebenfalls dumm sind. Diese Etiketten sollen abgeschafft und die Behinderten und Kranken sollen voll »integriert« beziehungsweise »inkludiert« werden, am besten so, dass man sie nicht einmal so nennen darf. Ja, eigentlich sollen sie zu den neuen Leitfiguren der Gesellschaft werden.

 

Für Behinderte gibt es immer ein »Shooting«

Zweitens wollen und sollen die behinderten und kranken Models bewundert werden:

  • »Ich liebe Jobs, bei denen ich in eine Rolle schlüpfen oder mit meiner Umgebung interagieren kann«, wird Gaydos zitiert.
  • »Ich war mir immer sehr bewusst darüber, wer ich bin − ich habe ja auch gar keine andere Wahl. Ich bin nicht perfekt, aber ich schaue immer nur nach vorn.«

Aber natürlich hat Gaydos auch eine Vision. Und damit muss sie nicht etwa zum Arzt, wie das Helmut Schmidt einmal für »Visionäre« forderte, sondern macht Karriere. Und natürlich, Ihr lieben »Normalen«, hat Gaydos damit Erfolg: »Es gibt immer ein Shooting für mich und ich nehme längst nicht alle Anfragen an. Vor allem dann nicht, wenn der Job nicht zu mir und meiner Vision passt« − welche Vision das ist, ist dann gar nicht mehr so wichtig und wird auch nicht verraten.

Die Botschaft: Wenn du ein »Shooting« nach dem anderen haben willst, dann musst du schon behindert sein! Sonst geht da bald gar nichts mehr.

Inzwischen gibt es sogar eine eigene Agentur für »Models mit Makel«: »Die Modelagentur Misfit Models rollt die Schönheitsindustrie von hinten auf«, schrieb das Jubelblatt Die Welt am 14. April 2015 in seinem Moderessort: »Gründer Del Keens sucht nach Menschen mit Tattoos, Makeln oder Behinderung.« Das Moderessort der Welt heißt übrigens ICON: Der Lifestyle der Welt …

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