Wer hat ein Bild aus einem Waffenkatalog so manipuliert, dass es als Tatwaffe von Lörrach durchgehen konnte? Das wissen wir nicht genau. Aber wie es gemacht wurde, das wissen wir jetzt …

Abgebrüht wie immer liest die Frau ihre Nachrichten. Hinter ihr prangt groß das Bild von einem martialisch erscheinenden Schießgerät: Die »Tatwaffe« des Amoklaufes von Lörrach. Es ist die heute-Sendung vom 21. September 2010. Zwei Tage zuvor soll eine durchgedrehte Rechtsanwältin mit der Waffe zwei Menschen erschossen und mehrere verletzt haben, bevor sie selbst von Polizeikugeln durchsiebt wurde. Das Bild der anderenorts explizit als »Tatwaffe« bezeichneten Pistole macht den ganzen Vorgang plausibel und klopft die Schuld der posthum beschuldigten Rechtsanwältin Sabine R. fest.
Die angebliche Tatwaffe von Lörrach in der ZDF-heute-Sendung vom 21. September 2010
Das Problem war nur: Wie bereits berichtet, handelte es sich dabei gar nicht um die Tatwaffe. In Wirklichkeit stammte das Foto von der Website gebrauchtwaffenprofi.de. Ursprünglich prangte in der Mitte des Bildes der schwarze Schriftzug »Waffen Schweigert«. Mit diesem Schriftzug hätte man wohl kaum den Eindruck erwecken können, dass Sabine R. mit dieser Waffe getötet habe.
Aber der Schriftzug »Waffen Schweigert« fehlte in der heute-Sendung. Hatte sich die Redaktion etwa ein Originalbild ohne Herkunftshinweis besorgt? Oder war das Bild wirklich manipuliert worden? Vergleichen wir dazu nochmals das Original mit der ZDF-Version:

Die »Tatwaffe« von Lörrach im Katalog von gebrauchtwaffenprofi.de …

… und bei ZDF-heute
Was fällt auf? Nun, zunächst einmal die überaus deutlichen Schlagschatten im Originalbild. Die Lichtquelle befindet sich offenbar relativ flach rechts über der Waffe:
Der Schattenwurf im Originalbild
Das heute-Bild weist jedoch einige physikalische Besonderheiten auf. So kann wohl erst seit dieser heute-Sendung das ein- und dasselbe Objekt mal einen Schatten werfen, mal nicht. Der Schatten von Griff und Abzug endet plötzlich und unvermittelt unterhalb des Abzuges. Das Objekt wirft hier plötzlich keinen Schatten mehr. Statt dunkel zu werden, erscheint der Untergrund unterhalb der Magazinkammer im selben hellen Blau wie die Stellen, die sich im Licht befinden.
Seltsamer Schattenwurf der Waffe im heute-Bild
Meiner Meinung nach weist das ganz klar auf die Methode hin, die hier angewendet wurde. Der Schriftzug »Waffen Schweigert« wurde zusammen mit dem Schatten, in dem er sich befand, beseitigt. Schatten und Schriftzug wurden einfach mit dem hellen Umgebungsblau übertüncht. Zusätzlich hat man über den unteren Teil des Bildes den Schriftzug »heute.de« gezogen. Dadurch kontrastieren die plötzlich fehlenden Schatten nicht so stark zu den deutlichen Schatten unterhalb des Griffes und der Magazine. Denn diese sind dadurch verdeckt. Hilfreich ist auch der schwache Kontrast des Gesamtbildes. Plötzlich erscheint das ursprünglich »hart« beleuchtete Bild als ein flaues Bild fast ohne Schatten.
Hat dies das ZDF selbst gemacht? Möglicherweise. Zumindest den heute.de-Schriftzug hat ja wohl kaum jemand anders über das Bild gelegt. Und da ist wiederum die Frage: Warum hat das ZDF den Schriftzug nicht einfach unterhalb des gesamten Bildes angebracht, sondern das Bild damit unten abgeschnitten? Diese Manipulation fügt sich schließlich nahtlos in die restlichen »Schattenspiele« an dem Bild ein, weil dadurch die auffälligen »Vergleichsschatten« verschwinden. Da erhebt sich die Frage: Was setzt uns das ZDF sonst noch für Bilder vor?
Aber ist es in diesem Fall nicht egal, ob das nun die Original-Tatwaffe ist oder nicht? Nein, das ist nicht egal. Denn die Bedeutungen sind jeweils grundverschieden. Während ein Foto einer Vergleichswaffe die offizielle Version schwächt und sogar die Frage aufwirft, warum kein Bild der Originaltatwaffe zur Verfügung stand, wäre ein Foto der Originalwaffe ein Beweismittel, das die ganze Geschichte vom Amoklauf von Lörrach untermauern würde. Deshalb ist es eben nicht egal, welche Waffe dem Publikum vorgesetzt wird und ob dabei explizit oder implizit (wie beim ZDF) behauptet bzw. der Eindruck erweckt wird, dass es sich um die Originalwaffe handelt.
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