Der Menüpunkt »Presse Service« auf der Website der Klima-Professorin Claudia Kemfert hält eine Überraschung bereit. Wer hier, wie anderenorts unter diesem Stichwort, Pressetexte erwartet, sieht sich getäuscht: Stattdessen stößt er hier auf Fielmann-Brillenwerbung. So sieht es jedenfalls aus: In höchster Auflösung kann man hier selbst noch den Haaransatz der smarten Blondine mit der markanten Brille besichtigen. Doch statt Optikerwerbung betreibt die Professorin hier Imagepflege in eigener Sache: Kemfert frontal, Kemfert im Profil, Kemfert engagiert diskutierend.
Und falls einmal der Stern versucht sein sollte, eine Doppelseite ausschließlich mit Claudia Kemfert zu tapezieren – auch für dieses Format reicht die Auflösung locker aus. »Nachfolgend haben Sie die Möglichkeit, Motive in druckfähiger Qualität herunter zu laden und honorarfrei zu nutzen«, kann man bei den Bildern lesen. Getreu dem Motto: »Ich heiße Claudia und bin Klimaforscherin«. Wir sind dann mal so frei.*

Abgesehen von der eigenen Person betreibt die für das »Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung« (DIW) tätige Dame noch Propaganda für den sogenannten »Klimawandel«, wie man sich davor schützen kann und was der ganze Spaß den Menschen kostet. Das Übliche also. Doch jetzt könnte der Nadelstreifenanzug der Dame erste Flecken bekommen. Jedenfalls nach einem Bericht der Website der Süddeutschen Zeitung vom 9. März 2010: »Im Januar 2008 stellte Kemfert einen Beitrag fertig, den sie in einem DIW-Wochenbericht veröffentlichen wollte. ›Die Privatisierung der Bahn – mehr Wettbewerb bitte‹ war ihr 130 Zeilen langer Text betitelt. Doch mehr als 30 Zeilen daraus, knapp ein Viertel, hat Kemfert wörtlich aus dem damaligen Wikipedia-Eintrag zum Thema ›Deutsche Bahn‹ übernommen.«
»Bei einer Herauslösung der Infrastruktur aus der DB-Holding könnten die Konzerntöchter vollständig privatisiert werden«, habe Kemfert geschrieben: »Genau dieser Text findet sich auch auf der zuvor erschienenen Wikipedia-Seite vom Dezember 2007. Fast 30 weitere Zeilen übernahm Kemfert von dem Nachschlagewerk, für das fast ausschließlich Ehrenamtliche arbeiten.«

Hat Kemfert also abgeschrieben? Nicht doch: »Im wissenschaftlichen Betrieb ist es so, dass man auf die Zuarbeit von Mitarbeitern angewiesen ist, auch für wissenschaftliche Fachtexte«, erklärte sie laut SZ-Website. »Die wissenschaftliche Basis für meinen Bericht« habe »auf einer Recherche eines Mitarbeiters aus dem Jahre 2007« beruht. Schuld ist also ein anderer.
Leider hilft das auch nicht weiter, denn dann hätte Kemfert den Mitarbeiter in dem Artikel nennen sollen: Gute wissenschaftliche Praxis zeichne sich durch »Redlichkeit gegenüber den Beiträgen von Kollegen und Mitarbeitern« aus, zitiert die SZ-Website aus dem Kodex des DIW.
Auch heute hüllt sich Kemfert laut SZ bezüglich des »Mitarbeiters« in Schweigen: »Wer dieser Mitarbeiter war, offenbart Kemfert nicht.« Der Große Unbekannte also.
Vor einer noch größeren Blamage wurde Kemfert wohl nur vom DIW selbst bewahrt. Dort erklärte ein Sprecher der Süddeutschen Zeitung, »unsere Qualitätskontrollen haben funktioniert; der Text wurde letztlich nie veröffentlicht«.

Täuschen, tricksen, tarnen – ist die sagenhafte Claudia Kemfert demnach auch nur eine ganz normale »Klimaforscherin«? Wenn man dem SZ-Bericht folgt, könnte man fast dieser Meinung sein. Der Rest der Medien interessierte sich allerdings den berühmten feuchten Kehricht für die Meldung. Bei Google News findet sich gerade mal eine Handvoll Artikel über den Vorgang. Die Klima-Religion kann zurzeit keine weiteren Pannen gebrauchen. Schließlich will man Ende November 2010 in Mexiko ein neues Klima-Spektakel veranstalten.
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* Alle Fotos unter: www.claudiakemfert.de/presse-service.html; © Mirko Hannemann (Februar 2010).