Seit gestern wird in Brandenburg jede wissenschaftliche Vernunft unterirdisch endgelagert. Begründung: Vernunft ist erstens zu gefährlich und zweitens geschäfts- und etatschädlich. Spaß beiseite: Für 35 Millionen Euro wollen Wissenschaftler des Geoforschungszentrums Potsdam (GFZ) allen Ernstes das natürliche Nährstoffgas Kohlendioxid unter die Erde pumpen. Die Klima-Hysterie macht’s möglich. Dabei kannte man unterirdische Deponien bisher hauptsächlich von Atommüll und extrem giftigen Abfällen.
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Beschäftigte man sich vor zehn oder zwanzig Jahren noch mit realen Giftstoffen wie Dioxinen oder PCBPs, hat man nun einem vollkommen natürlichen Gas den Kampf angesagt: Kohlendioxid. Auf diese Weise kann man Milliarden scheffeln. Die angebliche »Klimaschädlichkeit« beruht auf reiner Fiktion, da CO2 nicht in der Lage ist, in nennenswertem Maße Wärme auf der Erde zurückzuhalten.
Ja, nicht nur das: Dieses Gas ist ein absolut lebensnotwendiger Bestandteil unserer Luft, auf dem die Ernährung allen Lebens auf der Erde basiert. Kohlendioxid ist einer der wichtigsten Pflanzenbausteine und daher der beste und natürlichste Dünger. Für Pflanzen ist der gegenwärtige Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre (ca. 0,03 Prozent) sogar zu niedrig. Wäre er höher, könnten sie besser wachsen, und das Hungerproblem ließe sich leichter lösen. Denn zu den Pflanzen gehören ja schließlich nicht nur Zimmerpflanzen, sondern auch Getreide und Gemüse. Wenn das mal etwas üppiger wachsen würde, könnte das nicht schaden.
Im Rahmen der Photosynthese erzeugen Pflanzen aus KOHLENdioxid und Wasser KOHLEhydrate (von griech. Hygros = Wasser), sprich also Zucker – einen unserer wichtigsten Nährstoffe. Jeden Morgen, Mittag und Abend haben wir also CO2 auf dem Teller bzw. seinen Abkömmling Zucker. Und Sie müssen ja zugeben, dass diese Kohlehydrate ziemlich viel Energie geben und ziemlich lecker schmecken. Am besten natürlich als naturbelassener Fruchtzucker in Obst und Gemüse, aber auch als raffinierter Zucker. Zucker ist einer unserer wichtigsten Nährstoffe, ja, Zucker ist sogar der einzige Nährstoff des Gehirns.
Auch deshalb stimmt es nachdenklich, dass seine Vorstufe nun unter der Erde gelagert werden soll, denn nun pumpen tatsächlich Brandenburger Wissenschaftler im Rahmen eines Testprojekts bis zu 60.000 Tonnen Kohlendioxid unter die Erde, statt mit ihrer Hilfe mal kräftig nachzudenken.
Na und, werden Sie sagen, lasst sie doch – da haben Wissenschaftler schon weit gefährlichere Sachen angestellt. Da haben Sie nun auch wieder recht: Lieber spielen sie mit einem ungefährlicheren Stoff herum, als mit Atommüll, Waffen, Gentechnik oder anderen Technologien, von denen sie ebensowenig Ahnung haben, wie von Kohlendioxid. Schließlich kennen wir ja noch aus den sechziger Jahren den Begriff der Spaß-Guerilla oder des Pudding-Attentats. Nun also die CO2-Endlagerung. Haha. Was soll sein?
Einverstanden – wenn da nicht die 35 Millionen wären, die der ganze Blödsinn kostet. Und natürlich die Abermillionen, die noch folgen werden, falls der Versuch »gelingt«. Schon jetzt blasen Energieversorger Millionen zum Fenster hinaus, um das bei der Verbrennung in Kraftwerken entstehende Kohlendioxid ebenfalls in die Erde zu »pressen«. Millionen, die natürlich auf Ihrer Stromrechnung auftauchen werden.
Dabei sag‘ ich Ihnen was: Ob Sie jetzt das bei der Verbrennung in Kraftwerken entstehende Kohlendioxid aufwendig abscheiden oder das Kohlendioxid direkt der Luft entziehen, ist, was den Stoff betrifft, vollkommen gleichgültig. Denn Kohlendioxid bleibt Kohlendioxid. Letzteres wäre allerdings viel bizarrer. Man stelle sich lauter Kohlendioxid-Abscheider in der Landschaft vor, die das CO2 aus der Atmosphäre ziehen und in den Boden pressen. So ähnlich wie Windkrafträder. Dann würde auch dem Letzten klar werden, dass es hier überhaupt nicht um einen Giftstoff geht, sondern um etwas, das er in jeder Sekunde ein- und ausatmet.
Spannend ist auch die Gespensterdiskussion, die sich prompt um den Versuch entwickelt. Ohne eine Sekunde nachzudenken, entfalten Umweltverbände und Politiker das ganze Spektrum pawlowscher Reaktionen. Das ist die freundliche Version. Die unfreundliche: die Phantomdiskussion dient der Ablenkung von der Tatsache, dass der Kaiser pudelnackt ist. CO2 unter der Erde? Hm, hm, runzelt Greenpeace die Stirn, da könnte ja der Grund versauern: »Das im Sandstein vorhandene Salzwasser könnte vom Kohlendioxid verdrängt werden.« Ab in die Schlauchboote.
Davon abgesehen spielt es bei den etwa 36 Milliarden Tonnen weltweiter jährlicher Kohlendioxid-Produktion überhaupt keine Rolle, wieviele Fingerhüte nun irgendwer in den Boden leitet. Wobei die 36 Milliarden Tonnen nur einen Bruchteil des natürlichen Kohlendioxids in der Luft darstellen.
Bei soviel, sagen wir: Spaß darf natürlich die Europäische Union nicht fehlen. Die schwört nämlich auch auf die Carbon-Capture-and-Storage-Technologie. Klingt gut, wie? Soll heißen: »Kohlenstoff Auffang- und Lagerungstechnik«. Eine schicke Abkürzung gibt’s auch: CCS. Bis 2050 soll schon mal das Kohlendioxid aus europäischen Kraftwerken gebunkert werden. Genügend Lagerstätten dafür soll es geben. Und genügend Steuergelder wohl auch.
Man gönnt sich ja sonst nichts.
