Na, das ging ja nochmal gut. Mit dem Ausscheiden der deutschen Frauen-Nationalmannschaft aus der Fußball-WM blieb uns ein großes Gender-Mainstreaming-Spektakel erspart: Die deutsche Frauenmannschaft im Endspiel oder gar als Weltmeister im »eigenen Land«. Nach dem Motto: »Was die Männer nicht können, das schaffen die Frauen natürlich locker.« Doch der Fußballgott hatte ein Einsehen und stoppte die »Damen« bereits im Viertelfinale. Erstaunlich eigentlich, denn dabei war der Titel doch fest eingeplant …

»Und Weltmeister wird … Deutschland! «, titelte die Münchner Abendzeitung in ihrer Ausgabe vom 9./10. Juli 2011. »Am Samstag gegen Japan sind die DFB-Frauen Favorit gegen die Japanerinnen. Die große AZ-Analyse aller verbliebenen Teams zeigt, wieso dies auch bis zum Finale so bleiben wird«. Toll. Team und Trainerin hätten wieder zueinander gefunden, analysiert AZ-Reporter Frank Hellmann fachkundig weiter. Das 4:2 gegen Frankreich habe Blockaden gelöst. Der Weltmeister (also die deutsche Frauen-Nationalmannschaft) vereine »spielerische und kämpferische Qualitäten«. Das »4-4-2-System mit Doppel-Sechs« der Trainerin Sylvia Neid sei »dem Kader auf den Leib geschnitten«, drischt AZ-Hellmann wacker Fussballphrasen. »Gegen Japan wird gejubelt«. Eh klar. Aber nicht nur das, sondern auch »am Mittwoch in Frankfurt im Halbfinale gegen Schweden«. Und »dann ist dort noch ein Endspiel – und später ein Empfang am Römer«.
Prophezeien ist schwer – vor allem, wenn es um die Zukunft geht
»Darum gewinnt Deutschland gegen Japan«, wusste am 8. Juli 2011 auch die Augsburger Allgemeine ganz genau und präsentierte gleich »zehn Gründe, warum Deutschland gewinnt«: »Die Bilanz, der Heimvorteil – alles spricht für Deutschland im WM-Viertelfinale gegen Japan. Dazu noch Nadine Angerer im Tor.« »Das Viertelfinale Deutschland gegen Japan kann nur einen Sieger haben. Und der wird Deutschland heißen«, hokuspokusste auch FOCUS Online. Und auch die Kanzlerin tippte natürlich: »2:1 für Deutschland«.
Doch daraus wird nun nichts. Prophezeien ist eben schwer – »vor allem, wenn es um die Zukunft geht«, wusste schon der Schweizer Theologe Markus M. Ronner. Quälende 120 Minuten lang versuchten die deutschen Frauen am Samstagabend (9. Juli 2011) in Frankfurt ein Tor gegen Japan zu machen, doch vergeblich. Dafür fingen sie eins: Das Spiel endete mit 0:1; die deutsche Frauen-Mannschaft ist draußen.
Vorauseilender Siegestaumel
Dabei standen alle Zeichen auf Sieg – für die deutsche Frauen-Nationalmannschaft genauso wie für das Gender Mainstreaming, die politisch korrekte Ideologie von der Gleichheit der Geschlechter. Der Weltmeistertitel für die Frauen im eigenen Land war fest eingeplant, um dem Publikum ein für alle mal klar zu machen, dass es die Frauen eben besser können als die Männer. Dass der Ball auch im Frauenfußball rund ist, hatte man beim DFB glatt vergessen. So schleppten die düpierten Superfrauen in Frankfurt am Ende noch ein peinliches Plakat mit der Aufschrift »Ein Team – ein Traum – Millionen Fans – Danke!« über das Feld der Niederlage. Und so erklärte DFB-Präsident Theo Zwanziger auch noch nach dem Spiel, die Frauen-Trainerin Sylvia Neid sei »das Beste, was wir kriegen können«. Was soll der Mann auch sagen, hatte er der Frau doch kurz vorher im vorauseilenden Siegestaumel den Vertrag bis 2016 verlängert.
Freundliche Schützenhilfe von den Männern …
Statt Sport: Zickenkrieg gegen die Männer
Das frühe Aus für die deutschen Frauen ist umso peinlicher, als diese ihren Auftritt von Anfang an nicht als sportliche Herausforderung, sondern als ideologisch gefärbten Zickenkrieg gegen die Männer gesehen hatten. In einem aggressiven Nike-Werbespot der Nationalspielerin Lira Bajramaj konnte man das Gefühl bekommen, der Gegner seien gar nicht die internationalen WM-Mitbewerberinnen, sondern die (Fußball-) Männer im eigenen Land: »Den größten Titel der Welt im Blick – und die Welt blickt auf uns«, prahlte Bajramaj da: »Cool anziehen – das Tempo anziehen – zielen – abziehen – verwandeln.« »Das«, erhob Bajramaj universalen Anspruch auf das runde Leder, »ist unser Fußball«. Zu dem Satz »Wir holen den Triumph, den unsere besten Männer gerne mal wieder hätten« sieht man einen weinenden Zeichentrick-Mann im Bild. »Wir bleiben Siegerinnen«, protzt Bajramaj.
Dass dies keineswegs nur sportlich gemeint ist, zeigen Sätze wie »Meine Mädels und ich, wir werden an die Spitze ziehen – wie die Chefin in Berlin demnächst die Strippen ziehen.« Von einem »unaufhaltsamen Aufstieg nach oben«, faselt Bajramaj weiter und warnt: »Welt, nimm dich in Acht – denn wir kommen an die Macht.«
… als Dank Zickenkrieg und Hybris
Das war gewissermassen der Dank an die (Fußball-) Männer, die in diversen Spots Werbung für die Frauenfußball-WM gemacht und dem »schwachen Geschlecht« Schützenhilfe gewährt hatten. So hatten sie auch in einem Mercedes-Werbespot den »Damen« bei einem symbolischen Einlauf auf das Spielfeld den Vortritt gelassen – nur um in dreisten Werbespots wie dem von Bajramaj übel gefoult zu werden. Fazit: Medial und sportlich ein durch und durch peinlicher Auftritt der Fußballfrauen.