Geheimdienste versuchen Schiffsüberfall im Nachhinein zu rechtfertigen

Dumm gelaufen: Da hat man ein paar Schiffe überfallen, und an Bord waren nur unbewaffnete Zivilisten. Was also tun? Ganz einfach: Man muss den Schiffskonvoi wenigstens im Nachhinein zur Terrorflotte umdeklarieren. Und schon springen die internationalen Mossad-Hilfstruppen den bedrängten Israelis bei und graben alle möglichen »Terror-Verbindungen« der Hilfsorganisationen aus.

Aktivisten bewaffnen sich in Vorbereitung auf die Enterung mit Eisenstangen Von Israel Defense Forces

Kein Zweifel: Nach dem Überfall auf unbewaffnete Hilfsschiffe für den Gazastreifen befindet sich Israel international in der Defensive. Weit und breit ist nichts in Sicht, was die brutale und rechtswidrige Aktion in internationalen Gewässern rechtfertigen könnte. Doch man arbeitet dran. Fieberhaft versuchen internationale Geheimdienste, die Hilfsschiffe wenigstens im Nachhinein in eine Terrormission umzuwidmen. Nach dem Motto: Die weitsichtigen Israelis haben halt mal wieder viel besser durchgeblickt als der Rest der Welt.

 

»Beweis« Nr. 1:

 

Ein Artikel des niederländischen Telegraaf. Darin wird zwischen einem der Aktivisten der Gaza-Hilfsflotte und der Terrororganisation Hamas eine Verbindung hergestellt. Der Niederländer Amin Abu Rashed (43) sei ein Führer der Hamas. Beweis: »Eine Geheimdienstquelle«.

 

Der gebürtige Palästinenser Rashed habe einen niederländischen Pass und operiere von Rotterdam aus, schreibt der Telegraaf: »›’Rashed ist der Führer der Hamas in den Niederlanden‹, behauptet eine Geheimdienstquelle. Er ist unter dem Pseudonym Amin Abu Ibrahim in mehreren Geheimdienst-Berichten zu finden.«

 

Gemeint ist damit wohl der niederländische Geheimdienst.

 

Rashed habe mit der berüchtigten niederländischen Al-Aqsa-Stiftung zu tun, die der Mittelbeschaffung für die Terror-Organisation Hamas verdächtigt werde. Er sei auch »sehr aktiv« in der Stiftung Palästinensische Plattform für Menschenrechte und Solidarität (PPMS), so der Telegraaf-Informant.*

 

Geheimdienstquelle? Informant? Klingt nicht gerade vertrauenswürdig. Diese sogenannten Informationen stammen demnach aus dem Dunkeln.

 

»Beweis« Nr. 2:

 

Eine Studie des Danish Institute for International Studies, DIIS. Der »Studie« zufolge soll die türkische Hilfsorganisation International Foundation for Human Rights, Liberties, and Humanitarian Relief (IHH), die ein Schiff der Hilfsflotte gechartert hatte, in den Terrorismus verwickelt sein. Die Studie aus dem Jahr 2006/2007 liefert nun das Material für die Behauptung der Verstrickung der Liberty Fleet in den islamistischen Terrorismus.

Titel der Geheimdienststudie über die angeblichen Zusammenhänge zwischen der Hilfsflotte und dem Terrorismus

 

Autor des Papiers ist ein gewisser Evan F. Kohlmann, laut Kurzbiographie »international Terrorism Consultant« – wobei es vielleicht besser »Anti-Terrorism Consultant« heißen sollte. Kohlmann forsche seit Jahren über Al Qaida, also jene Geheimdienstfiktion einer konzernartig aufgebauten, international tätigen Terrororganisation, so eine Art »Terror Inc.«.

 

Durch zahlreiche Publikationen und Recherchen ist inzwischen allerdings bewiesen, dass es sich dabei um nichts weiter als ein Phantom handelt, um den internationalen »Krieg gegen den Terror« zu rechtfertigen. Sprich: Willkürliche und völkerrechtswidrige Kriege gegen Staaten wie Afghanistan, den Irak und den Iran. Um dieses Phantom am Leben zu erhalten, produziert ein internationales Netzwerk von »Instituten« immer neue »Studien«, in denen die angebliche Struktur und Verflechtungen des internationalen Terrors im allgemeinen und von Al-Qaida im besonderen beschrieben werden. Wobei die hauptsächliche Quelle des Terrors in der Regel sorgfältig ausgespart bliebt, nämlich die Geheimdienste selbst.

 

Da, wo es wirklich so etwas wie »Al Qaida-Strukturen« gibt, werden sie von den Diensten selber aufgebaut: »Al Qaida ist von westlichen Geheimdiensten durchsetzt – bis an die Spitze«, schrieb beispielsweise der Terrorismus-Experte Jürgen Elsässer in seinem Buch Terrorziel Europa. Osama Bin Ladens Verbindungen zu den US-Diensten reichen demnach in die achtziger Jahre des letzten Jahrhunderts zurück. Die »afghanischen Gotteskrieger« beispielsweise habe die CIA bei ihrem damaligen Kampf gegen die Sowjetunion mit drei Milliarden Dollar gesponsert. Niemand Geringerer als der frühere (1997-2001) britische Außenminister Robin Cook wies darauf hin:

 

»Al Qaida, wörtlich: ›die Datenbank‹, war ursprünglich die Computerdatei mit den Tausenden von Mudschaheddin, die mit Hilfe der CIA rekrutiert und trainiert worden waren, um die Russen zu besiegen.«

 

Das heißt: Al Qaida ist von A bis Z ein Kind der Geheimdienste, die es nicht nur ins Leben gerufen, sondern auch hochgepäppelt haben. Und dieses Konstrukt ist der Forschungsgegenstand des trefflichen Herrn Kohlmann, Verfasser der »Studie« mit den Informationen über die Verflechtungen der türkischen Hilfsorganisationen in den internationalen Terrorismus. Eine Studie, die nun hilft, den israelischen Terror-Überfall auf zivile Schiffe in internationalen Gewässern ex post facto zu rechtfertigen.

 

Und natürlich ist auch unser »Terrorism Consultant« Evan Kohlmann ein Hans Dampf in den Gassen der Geheimdienste. Wie ich schon sagte, sind Institute wie das oben genannte »renommierte« Danish Institute for International Studies Teil eines internationalen Netzwerkes von »Forschungseinrichtungen«, die den Geheimdiensten zuarbeiten. Und so ist es auch kein Zufall, dass auch Kohlmann bereits für den Dänischen Geheimdienst PET tätig war. Seine Studie eine »unabhängige international renommierte Quelle« zu nennen, wie stellenweise geschehen, ist daher möglicherweise etwas übertrieben.

 

Hans Dampf in allen Geheimdienstgassen: »Terror Consultant« Evan Kohlmann

 

Ferner arbeitete Kohlmann auch für das US-Verteidigungsministerium, das FBI und – laut der Nachrichtenseite salon.com – für die CIA. Was bedeuten würde: Evan Kohlmann ist Teil jenes Netzwerkes, das Al Qaida ursprünglich geschaffen hat und dieses Phantom seitdem hegt, pflegt und für seine Zwecke nutzt. So tritt Kohlmann wiederum auch als »Experte« und »Gutachter« in Terrorprozessen auf, wo er dafür sorgt, dass Terrorverdächtige verurteilt werden – u.a. aufgrund seiner »Expertisen«. Auf diese Weise nährt sich das Phantom Al Qaida selbst.

 

Kohlmann besuchte die berüchtigte Geheimdienst- und Jesuiten-Universität Georgetown (aus der viele Banker, Militärs und Geheimdienstler hervorgingen) und dort die Edmund A. Walsh School of Foreign Service, benannt nach dem Jesuitenpriester Edmund A. Walsh. Nach eigenen Angaben hat sich die Schule der Erziehung »der nächsten Generation globaler Führer« verschrieben. »Jesuitische Ideale« gehörten ebenfalls zu den Markenzeichen. Hier lehrte ab den späten Siebzigerjahren des vorigen Jahrhunderts zum Beispiel auch Bilderberger-Boss Henry Kissinger als Professor. Weitere Absolventen sind der ehemalige CIA-Chef George Tenet, der US-General und Außenminister Alexander Haig, Obamas Nationaler Sicherheitsberater James L. Jones, der US-Armeestabschef George Casey sowie der EU-Präsident José Manuel Barroso.

 

Kohlmann arbeitet ferner für die Nine Eleven Finding Answers Foundation (NEFA), eine Propagandaoperation zur begleitenden »Information« über die Attentate des 11.9.2001 und den Terrorismus. Die NEFA sorgt im Nachhinein für die Plausibilität der offiziellen Version, wonach die Attentate vom 11.9.2001 von islamistischen Terrornetzwerken wie Al Qaida verübt worden sein sollen. Angesichts einer Flut von Artikeln und »Studien« zu dem Thema entsteht der Eindruck einer Fülle von Beweisen für die offizielle Version. Im NEFA-Stab befindet sich neben Kohlmann ein gewisser Ronald Sandee, ein ehemaliger Angehöriger des niederländischen Geheimdienstes – womit sich der Kreis schließt. Denn der niederländische Geheimdienst war ja offenbar auch die Quelle des Telegraaf-Artikels über die Teilnahme des angeblichen Hamas-Mitgliedes Rashed an der Gaza-Hilfsfahrt.

 

Was bisher übrigens noch niemandem aufgefallen ist: Israel scheint überhaupt etwas gegen Schiffe mit dem Namen »Liberty« zu haben. Schon am 8. Juni 1967 beschossen israelische Kampfflugzeuge das amerikanische Spionageschiff USS Liberty.  Insgesamt kamen 34 US-Marines ums Leben, über 170 wurden verletzt. Rettungsboote wurden von Torpedobooten unter Feuer genommen. Nun mag man Spionageschiffe mögen oder auch nicht, allerdings fuhr auch die USS Liberty in internationalen Gewässern …

 

*Diese Absätze wurden mit Hilfe von Maschinenübersetzungen erstellt.