Es kommt nichts Besseres nach: Guttenberg-Spezi neuer Innenminister

Wie viel Guttenberg steckt in unserem neuen Bundesinnenminister? Dr. Hans-Peter Friedrich von der CSU stand schon seit Jahren fest an Guttenbergs Seite. Ausgerechnet der vehementeste Guttenberg-Verteidiger und -Schönredner wird nun neuer »Law-and-Order-Mann« – also der Mann für Recht und Gesetz.

Hans-Peter Friedricxh/Von Henning Schacht

Schon in Sachen Kunduz-Affäre, nachdem die Bundeswehr 2009 gerade mal über 100 Zivilisten in Afghanistan wegbombardiert hatte, nahm Dr. Friedrich zu Guttenberg gegen den Vorwurf der Lüge in Schutz. »Wir werden nicht akzeptieren, dass der Minister, der die Ordnung wieder herstellt, in unverschämter und unerträglicher Weise attackiert wird«, sagte er damals. Als Guttenberg im Dezember 2010 mit seiner Gattin und Talkmaster Johannes Kerner in Afghanistan eine PR-Show veranstaltete, war es wiederum der CSU-Landesgruppenchef in Berlin, der ihm die Stange hielt: »Ich glaube, dass Karl-Theodor zu Guttenberg ein wichtiges Zeichen setzt«, meinte Friedrich laut Spiegel Online vom 14. Dezember 2010. »Mit welcher Begeisterung« die Soldaten »auch Frau zu Guttenberg empfangen, das finde ich bezeichnend.«

Ganz sicher bezeichnend ist, wie sich der neue Innen-Saubermann Friedrich für Guttenberg ins Zeug legte, als dieser jüngst vom Dr. jur. zum  Dr. plag. mutierte. »Das ist sehr unwürdig gewesen und das wirft auch ein schlechtes Licht auf die Politik insgesamt«, sagte Friedrich am 2. März 2011 im Deutschlandfunk. Womit er nicht etwa den Zitate-Klau von Ex-Doktor Guttenberg meinte, sondern die Angriffe seiner Kritiker. Als am 23. Februar 2011 SPD-Mann Thomas Oppermann Plagiator Guttenberg im Bundestag frontal annahm, bolzte Friedrich: »Das, was Sie hier vorgeführt haben, ist keine ordnungsgemäße parlamentarische Opposition, das ist eine Unverschämtheit.« – »Das, was Sie hier machen, ist unglaublich.«

 

 

Dr. jur. kämpft für Dr. plag.: Guttenberg-Freund Dr. Hans-Peter Friedrich (CSU) im Bundestag

 

 

Während Guttenberg der Frage, ob er ausschliessen könne, dass jemand anderer an seiner Doktorarbeit mitgeschrieben habe, auswich, fand Friedrich, der Minister habe doch alle Fragen »ordnungsgemäß, ausführlich und überzeugend beantwortet«. Dass die Opposition das Gegenteil behaupte, sei einfach »unverfroren«.

Ganz wie der Großen Vorsitzenden Dr. Angela Merkel und Dr. plag. Guttenberg fehlt es Friedrich in

der Sache offenbar an Unrechtsbewusstsein. So wollte auch Friedrich  Guttenbergs Raubkopiererei am liebsten ignorieren. Der Deutsche Bundestag entscheide nicht darüber, »ob und in welchem Umfang die Arbeit, die er eingereicht hat, wissenschaftlichen Wert hat und einen Erkenntnisgewinn bringt«, redete Friedrich mit Vehemenz am Thema vorbei. Darum ging es schließlich gar nicht; es ging um den fortgesetzten und dreisten Diebstahl geistigen Eigentums. Nichts da: Der Bundestag sei schließlich »kein Promotionsausschuss«. Über den wissenschaftlichen Wert »entscheide« einzig und allein die Universität Bayreuth.

Nicht das Verhalten Guttenbergs fand Friedrich in der Debatte unglaublich, sondern »wie hier in den letzten Tagen – ja, wenn ich zurückdenke, muss ich sagen: in den letzten Wochen und Monaten – gegen Karl-Theodor zu Guttenberg geholzt wird«. Am Ende sei entscheidend, »dass Karl-Theodor zu Guttenberg seine Aufgabe als Bundesminister der Verteidigung in hervorragender Weise wahrnimmt«.

»Verteidigungsminister«, übernahm Friedrich Merkels Trennung zwischen Guttenbergs Doktorschwindel und seiner Tätigkeit als Minister, »werden in diesem Hause und in diesem Lande nicht nach ihren wissenschaftlichen Qualitäten beurteilt, sondern nach ihrer Fähigkeit, die Bundeswehr zu führen.«

Bundesinnenminister, so könnte man diese Rede fortführen, werden in diesem Land demnach auch nicht nach ihrer Integrität und Unbescholtenheit beurteilt, sondern nach ihrer Fähigkeit, das Bundesinnenministerium zu führen. Minister scheint in Dr. Friedrichs Weltbild in diesem Land ein Job zu sein, der einen über Recht und Gesetz erhebt und  gegen jegliche äußeren Anfechtungen immun macht. Das lässt nichts Gutes ahnen.

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