Becker-Prozess: »Konspiration staatlicher Stellen mit der RAF «

So langsam riechen auch die Mainstream-Medien den Braten: Mit der sogenannten »RAF« stimmt etwas nicht. Nirgends wird das deutlicher, als bei dem Stammheimer Prozess gegen die ehemalige »RAF«-Frau Verena Becker. Und nirgends kann man das so hautnah mitverfolgen wie in Michael Bubacks Blog über das Verfahren bei dem 3sat-Magazin Kulturzeit.

Man muss zweimal hinschauen, bevor man glaubt, was man da liest: In Stammheim geht es »um Konspiration staatlicher Stellen mit der RAF …«. Und das schreibt kein »Verschwörungstheoretiker«, sondern der Redaktionsleiter des durch und durch braven Mainstream-Magazins Kulturzeit, Armin Conrad, in seinem Vorwort zu dem Prozessblog von Michael Buback.

 

Michael Buback ist der Sohn des am 7. April 1977 von der sogenannten »RAF« ermordeten Generalbundesanwaltes Siegfried Buback. Buback und seine beiden Begleiter (der Fahrer Wolfgang Göbel und der Justizhauptwachmeister Georg Wurster) wurden in Bubacks Dienstwagen an einer Ampel in Karlsruhe nach Mafia-Art vom Rücksitz eines Motorrades aus mit einer Maschinenpistole niedergemäht. Die Maschinenpistole wurde bei der Festnahme von Verena Becker in deren Besitz gefunden, außerdem ein Schraubendreher aus dem Bordset des Tatmotorrades. In einem am Tatort gefundenen Motorradhelm fanden sich Haarspuren von Verena Becker, und Zeugen wollten eine Frau auf dem Sozius des Tatmotorrades gesehen haben.

 

Das Kleine Einmaleins des Terrors

Doch Verena Becker kann und darf es auf keinen Fall gewesen sein. Denn wenn es Verena Becker war, dann war es der Staat – so einfach funktioniert inzwischen das kleine Einmaleins des Terrors in Deutschland. »Stand Verena Becker«, fragt Kulturzeit-Redakteur Conrad weiter, »bereits an dem Tag, an jenem 7. April 1977, an dem die Karlsruher Morde verübt wurden, auf der Mitarbeiterliste des bundesdeutschen Verfassungsschutzes? War der Staat in die Mordpläne eingeweiht? Waren die Rollen in jener Zeit, die uns in den Deutschen Herbst 1977 führte, ganz anders verteilt, als wir alle glaubten?«

 

 

Michael Buback bloggt direkt vom Becker-Prozess – und was man da liest, lässt einen die Ohren anlegen.

 

Eine gute Frage. Sicher ist, dass die Rollen in dem Stammheimer Prozess ganz anders verteilt sind, als viele glauben:

  • Die Anklageschrift ist keine Anklageschrift, sondern ein Plädoyer der Verteidigung, in dem von vornherein ausgeschlossen wird, dass Becker geschossen hat – sämtlichen Spuren zum Trotz.
  • Die Bundesanwaltschaft ist demzufolge nicht die Anklage, sondern die Verteidigung.
  • Der Nebenkläger Michael Buback ist der eigentliche Ankläger, und zwar nicht nur von Verena Becker, sondern auch des Staates – denn der sitzt längst neben Verena Becker mit auf der Anklagebank.
  • Verena Becker ist nicht die zitternde Angeklagte, sondern eine gelassene Prozessbeobachterin, weil ihren Job und den ihres Verteidigers die Bundesanwaltschaft erledigt.
  • Der gemeinsame Feind der beiden ist der Einzige, der wirklich wissen will, was passiert ist, nämlich der Sohn des Ermordeten, Michael Buback.

 

In Stammheim wächst zusammen, was zusammen gehört

Wie in einem Labor kann man in dem Stammheimer Prozess beobachten, wie das gesamte System der »RAF« zu kippen beginnt – nämlich wie sich »RAF« und Bundesanwaltschaft juristisch aneinander kuscheln und jede zentrale Tatbeteiligung Beckers bestreiten. Kurz und gut: In Stammheim wächst zusammen, was zusammen gehört.

Ja, mehr noch: In Stammheim kann man beobachten, wie sich der deutsche Staat in einem Sumpf aus Komplizenschaft auflöst. Ab jetzt kann man im Grunde genommen jeden Strafbefehl und jeden Steuerbescheid wegwerfen, da der Staat seine Legitimation verliert, irgendwem irgendetwas vorzuschreiben. Die Bundesanwälte sind lediglich lächerliche Figuren, die sich verzweifelt gegen diesen Dammbruch stemmen. Wenn ein so großes Lügengebäude zusammenbricht, werden es die zarten Händchen von ein paar Bundesanwälten auch nicht mehr aufhalten können. Nur das BKA warnt inzwischen schon wieder unbekümmert vor neuen Terroranschlägen. Die seien »ernsthaft naheliegend«. Woher die das wohl wissen?

 

 

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